Das Glück im Selbstverständlichen
Wir warten so oft auf die großen Momente, um dankbar zu sein.
Auf das große Glück.
Auf den besonderen Augenblick.
Auf den erfüllten Wunsch.
Auf etwas, das unser Leben sichtbar verändert.
Doch vielleicht liegt eines der größten Geheimnisse des Lebens darin, das Glück dort wiederzuentdecken, wo wir längst aufgehört haben, es zu sehen:
im Selbstverständlichen.
Vielleicht ist deine Arbeit nicht jeden Tag leicht.
Vielleicht gibt es morgens Tage, an denen du lieber liegen bleiben würdest.
Doch diese Arbeit bezahlt deine Miete.
Sie füllt deinen Kühlschrank.
Sie ermöglicht dir vielleicht einen Urlaub, einen Ausflug oder einfach das kleine Stück Freiheit, dir etwas Schönes leisten zu können.
Und plötzlich wird aus
„Ich muss arbeiten“
ein leises
„Danke, dass ich für mein Leben sorgen kann.“
Vielleicht ärgerst du dich, wenn der Bus zu spät kommt oder die Bahn wieder einmal nicht fährt.
Doch wie selbstverständlich steigen wir sonst ein und lassen uns viele Kilometer tragen.
Wir müssen den Weg nicht zu Fuß gehen.
Wir haben Möglichkeiten, von einem Ort zum anderen zu gelangen, die für uns so normal geworden sind, dass wir ihren Wert manchmal erst bemerken, wenn sie einmal nicht funktionieren.
Vielleicht sind die Kinder heute laut.
Sie streiten, lachen, rennen durchs Haus und bringen dich an deine Grenzen.
Und mitten in diesem Trubel darf für einen Augenblick der Gedanke entstehen:
Sie sind da.
Sie leben.
Sie lachen.
Sie wachsen.
Was heute manchmal anstrengend erscheint, könnte eines Tages genau das sein, wonach sich dein Herz zurücksehnt.
Und vielleicht hat dein Haustier wieder etwas angestellt.
Haare auf dem Sofa, Pfotenabdrücke auf dem Boden oder irgendein kleines Chaos.
Doch dann schaut dich dieses Wesen an.
Ohne Bedingungen.
Ohne Erwartungen.
Einfach voller Vertrauen und Liebe.
Und du erinnerst dich daran, welch großes Geschenk es ist, ein Tier an seiner Seite zu haben.
Dankbarkeit bedeutet nicht, dass wir alles schönreden müssen.
Wir dürfen genervt sein.
Wir dürfen müde sein.
Wir dürfen uns über Dinge ärgern.
Doch vielleicht können wir danach noch einen zweiten Blick wagen.
Einen Blick mit dem Herzen.
Auf das Dach über unserem Kopf.
Auf die warme Kleidung an kalten Tagen.
Auf das Wasser, das aus dem Hahn fließt.
Auf das Essen auf unserem Teller.
Auf Menschen, die uns begleiten.
Auf Tiere, die uns lieben.
Auf Wege, die wir nicht zu Fuß gehen müssen.
Auf einen gewöhnlichen Morgen, an dem wir die Augen öffnen und einen neuen Tag geschenkt bekommen.
Vielleicht ist Fülle nicht immer das, was noch zu uns kommen soll.
Vielleicht ist Fülle manchmal all das,
was längst da ist.
Und vielleicht beginnt wahre Dankbarkeit genau dort:
Nicht erst beim größten Glück unseres Lebens,
sondern bei all den kleinen Dingen, die wir jeden Tag berühren, benutzen und erleben, ohne noch darüber nachzudenken.
Denn manches, was für uns heute selbstverständlich ist,
wäre für einen anderen Menschen ein großer Wunsch.
Und manches, worüber wir uns heute ärgern,
könnte etwas sein, für das wir eines Tages dankbar zurückblicken.
Das Leben besteht nicht nur aus den großen Wundern.
Es besteht aus tausend kleinen Wundern,
die so oft geschehen,
dass wir vergessen haben, sie Wunder zu nennen. ![]()
An’Léana